Präsentation

Gut gesprochen ist halb verstanden: So gelingen Präsentationen

22. Dezember 2015

Informationen zu kennen ist die eine Herausforderung, sie zu vermitteln eine ganz andere. Dazu bedarf es einer verständlichen und vor allem interessanten Präsentation – und diese gelingt nur mit einer einwandfreien Sprechweise. Warum die Aussprache so wichtig ist und wie ihr diese trainiert, verrät uns Sprechtrainerin Miriam Festl.

Mikrofon

Beim Vortrag zählen die Inhalte wichtig – doch die Aussprache ist mindestens genauso wichtig.

Deutlich sprechen – keine Selbstverständlichkeit

Das Sprechen haben wir alle in frühester Kindheit gelernt und seit dem viele Jahre lang fleißig geübt – eigentlich sollten wir darin wirklich gut sein. Doch gutes Sprechen kennzeichnet sich nicht durch die Fähigkeit, Sätze zu bilden und diese über die Stimmbänder in Töne zu verwandeln, sondern durch Verständlichkeit: „Das heißt zum einen, deutlich zu sprechen und nicht zu nuscheln. Zum anderen sollte natürlich ein Dialekt oder Akzent die Verständlichkeit nicht beeinträchtigen. Meiner Meinung nach ist nicht eine völlig akzentfreie Aussprache die beste – je nach Ort und Situation kann zum Beispiel eine dialektale Färbung durchaus passend oder sogar erwünscht sein. In anderen Bereichen wiederum, häufig im beruflichen Kontext auf überregionaler Ebene, ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Man wird oft als glaubwürdiger und kompetenter eingeschätzt, je hochdeutscher man spricht“, erklärt Miriam Festl.

Die Sprechwissenschaftlerin arbeitet seit zwei Jahren als selbstständige Sprechtrainerin und hilft mit ihrer Agentur Ausgesprochengut in Sprech- und Aussprachtrainings beim Erlernen einer guten Aussprache.


Sprechen lernen für Fortgeschrittene

In den Seminaren vermittelt Miriam „alles, was zum Sprechen dazu gehört: Atem- und Stimmtechnik, Artikulation und Körperausdruck, aber auch die sprachliche Ausdrucksweise. Je nach individuellen Stärken, Schwächen und Zielen, werden die passenden Schwerpunkte gesetzt. Ein Fokus bei Akzent- und Dialektsprechern, die besser Hochdeutsch sprechen möchten, läge zum Beispiel auf der deutschen Standardlautung.“

Miriam_Festl

In Sprechtrainings hilft Miriam Festl beim Erlernen einer guten Aussprache.

Ihr Trainingsangebot richtet sich an alle, „die in ihrem Beruf viel sprechen. Wer verstanden werden und bei seinen Zuhörern ankommen möchte, ist auf eine deutliche Sprechweise und verständliche Sprache angewiesen. Es kommen aber auch immer wieder Kunden zu mir, die aus privaten Gründen an ihrer Stimme oder Aussprache arbeiten wollen.“

Gut ausgesprochen, gut präsentiert

Bei einem Vortrag steht grundsätzlich die Vermittlung von Inhalten im Fokus. Werden die Informationen jedoch missverständlich präsentiert, bleibt dieser Erfolg aus und fragende Gesichter zurück.

Für die Expertin ist daher die richtige Sprechweise das essentielle Element für eine gelungene Präsentation: „Wie schafft man es, dass die Zuhörer wirklich zuhören und die Inhalte verarbeiten und aufnehmen? Viele denken jetzt vielleicht erstmal an eine tolle PowerPoint-Präsentation oder ein detailliertes Handout. Solche Mittel tragen sicherlich zu einem gelungenen Vortrag bei. Begeisterung und Interesse für ein Thema schwappen aber vielmehr durch eine angenehme Stimme, ausdrucksstarkes und deutliches Sprechen, Lebendigkeit und Eloquenz über.“

Präsentation

Nur wenn die Inhalte verstanden werden, ist eine Präsentation ein Erfolg – und das gelingt nur mit der passenden Sprechweise.

Die eine perfekte Sprechweise? Die gibt es nicht!

Die Relevanz einer einwandfreien Sprechweise ist somit zweifellos gegeben. Doch welche Elemente ziehen unsere Zuhörer in den Bann?

Hierfür gibt es laut Miriam kein Patentrezept: „Jede Art von Präsentation bringt automatisch ein anderes Setting, Thema und auch ein anderes Publikum mit sich. Insofern unterscheiden sich auch die sprecherischen Anforderungen: Ein strukturierter Fachvortrag zum Beispiel erfordert in der Regel kaum Spontaneität beim Sprechen. Eine Moderation dagegen kann man meist nicht bis ins Detail vorausplanen, das heißt man muss vor allem sprachlich in der Lage sein, spontan gute Formulierungen zu finden. Wenn es darum geht, eine Rede zu halten, hängt es wiederum vom Anlass ab, wie viel Emotionalität in der Stimme angebracht ist. Die Kunst besteht also darin, sich seiner ganz persönlichen Sprech- und Stimmwirkung bewusst zu sein und die Sprechweise flexibel und zur jeweiligen Präsentationsituation passend zu gestalten.“

Bevor ihr bei der nächsten Präsentation wieder eure ganze Energie in die multimediale Gestaltung des Vortrags steckt: Vergesst nicht, auch an der sprachlichen Umsetzung zu arbeiten. Denn diese ist Voraussetzung für Verständnis und verdient daher eine Extra-Portion Aufmerksamkeit.

Vielen Dank an Miriam für das Interview und die Erklärung der Hintergründe einer guten Aussprache.

Bilder: Bild 1: (c) iStock / PongMoji, Bild 2: (c) Miriam Festl, Bild 3: (c) iStock / Wavebreakmedia


Werbung nervt und ist trotzdem unverzichtbar. Zwischen zahlreichen langweiligen Spots, gibt es aber immer wieder kreative Lichtblicke. Diese zu erforschen, ist meine Leidenschaft.

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